Die Sterne – In Echt
Posted on 27 Oktober 2010 | 3 responses
Ursprünglich wollte ich etwas über Posen schreiben. Ohne natürlich bedacht zu haben das Videos auf YouTube den Umsatzzahlen von majorgesignten Platten erheblichen Schaden zufügen. Somit hat sich nach einigen YT-Löschungen der Gedanke das beste Sterne Album vorzustellen schnell verflüchtigt. Hey, aber In Echt ist doch auch ne ganz nette Platte. Vielleicht sogar ne kleine Ecke besser? Trotz des spärlichen Orgeleinsatzes von Frank Will der doch eher auf Posen voll zur Geltung kommt?
Ach mensch, let’s rock that shit!
Ich trau’s mich schon fast gar nicht zu sagen aber Die Sterne sah ich zum ersten mal bei ähm…Stefan Raab auf VIVA. Dort lief ihr Video zu Was hat dich bloss so ruiniert, einer mächtigen Deutschrocknummer von einer damals für mich völlig neuartigen Konsequenz.
Natürlich wurden dann die letzten beiden Album gekauft und schnell stand die Alternative zu rohen 4/4 Klopfern fest. Nach nur wenigen Einsätzen im CD-Player konnte ich In Echt und Posen komplett auswendig. Ich war noch nie zuvor von einem deutschen Sänger so fasziniert wie von Frank Spilker und seiner glasklaren Stimme. Seine Texte sind voll von Poesie, Wut und tragikomischer Grösse. Zeilen wie „eine Kaugummiwelt die dich nicht wirklich sondern so tut als ob sie dich zusammmenhält und sie verklebt dir den Magen und du mußt dich übergeben und kotzt das bißchen Leben in die Schüssel…“ beschäftigen einen tagelang. So kryptisch einem alles erscheinen mag ist das Gesamtwerk auf In Echt von einer hohen Musikalität und einer kühlen Romantik geprägt.
Klanglich lassen sich die Sterne gut in die Kategorie „schrammeliger Garagenrock“ einordnen und aufgrund der schmissigen Rhythmen ist das keineswegs die verkehrte Wortwahl. Auch wenn das Album im letzten Drittel mit Ill Silenzio einen dramaturgischen Knick bekommt, erlangt In Echt mit dem bösartigen Song Zum totschlagen zu schön einen wahren Höhepunkt. Ob es für die von Madonna geklauten Textzeilen Ärger gab?
Leider gibt es In Echt nur auf CD. Wer die Tracks auf Vinyl haben möchte empfehle ich die Doppel LP Unter Geiern die die Songs der ersten beiden Alben Wichtig und In Echt vereint. Keine schlechte Investition.
Tracklist:
1 Einzugsermächtigung (0:47)
2 Du Darfst Nicht Vergessen Zu Essen (3:57)
3 Universal Tellerwäscher (4:07)
4 Nüchtern (4:17)
5 Es Möchte Echt Sein (3:30)
6 Franzi Und Crack (4:04)
7 Kein Mitleid (3:49)
8 Vorabendprogrammredakteur (4:23)
9 Il Silenzio (3:26)
10 Zum Totschlagen Zu Schön (5:37)
11 Unland (5:07)
12 Offenbarungseid (1:34)
httpvp://www.youtube.com/view_play_list?p=986C722C69A17D43
In Echt @ Discogs
Unter Geiern @ Discogs
Jeru The Damaja – The Sun Rises In The East
Posted on 26 Oktober 2010 | 3 responses
Ich hoffe ja jedesmal inständig wenn ich über ein Hip Hop Album schreibe das kein einziger Genrecrack die verfassten Zeilen jemals entdecken wird. Jedesmal zuzugeben bzw. einzuräumen das man bis vor kurzem von bestimmten Artists tatsächlich noch nie etwas mitbekommen hat erfüllt mich schon etwas mit temporärer Schamesröte. Klar, ein Fingerzeig auf den prall gefüllten Techno-Plattenschrank entspannt den Rapnerd sicherlich, dennoch liegen die zu erntenden Probs immer noch recht hoch auf der Leiter.
Aber Schluss jetzt mit dem Selbstmitleid.
Beim durchstöbern von inoffiziellen Hip Hop Bestenlisten taucht ein Album besonders gerne und oft auf. Ein bisschen erschrak ich schon als ich die brennenden Twin Towers auf dem Cover sah, besonders von dem Aspekt aus das wir es hier mit einer LP aus dem Jahre 1994 zu tun zu haben. Der Nostradamus des Raps heisst Jeru The Damaja und er konnte verdammt froh sein zwei Jahre zuvor DJ Premier getroffen zu haben.
Der nämlich warb Jeru für einen MC-Beitrag auf Gang Starr’s dritten Album Daily Operation an um dann anschliessend mit ihm zusammen Jeru’s Albumdebüt The Sun Rises In The East aufzunehmen.
Am lässig funkenden Groove der Beats lässt sich auch zweifelsohne Premiers Handschrift ausmachen. Tracks wie Brooklyn Took It oder Mental Stamina sind astreine Mitt-90er Kopfnicker.
Dazu sind Jeru’s Texte hochpolitisch, pointiert und immer hochgeradig catchy. Das Ganze ist nicht nur als ein besonders klassisches, sondern auch als ein aus heutiger Sicht zeitloses Klangdokument des Hip Hop Zirkus‘ anzusehen.
Als nach dem zweiten Album Wrath Of The Math Jeru The Damaja ohne DJ Premier weitermachte ließ die Qualität der LP’s stetig nach…leider!
The Sun Rises In The East steht trotzdem immer noch in Stein gemeisselt, völlig zu Recht!
Tracklist:
A1 Intro (Life) (0:50)
A2 D.Original (3:35)
A3 Brooklyn Took It (3:22)
A4 Perverted Monks In Tha House (Skit) (1:13)
B1 Mental Stamina (2:21)
B2 Da Bichez (3:51)
B3 You Can’t Stop The Prophet (3:54)
C1 Perverted Monks In Tha House (Theme) (1:13)
C2 Ain’t The Devil Happy (3:44)
C3 My Mind Spray (3:44)
D1 Come Clean (3:58)
D2 Jungle Music (3:50)
D3 Statik (3:07)
httpvp://www.youtube.com/view_play_list?p=886246AFD404E831
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RA 230: Alan Howarth
Posted on 25 Oktober 2010 | No responses
Eigentlich finde ich es ja hochgeradig unsinnig den aktuellsten Beitrag des Resident Advisor Podcasts vorzustellen, da kurz nach Veröffentlichung sowieso sämtliche Blogs und Social Networks mit der Nachricht überschwemmt werden. Wenn aber so etwas derartig Gutes wie heute Nacht auf den RA-Server gelangt dann muss auch ich mal kurz Meldung geben.
Einer der grössten Soundtrack-Komponisten des Horrorfilmgenres gibt sich die Ehre. Alan Howarth produzierte für unzählige John Carpenter Filme wie z.B. „Prince Of Darkness“ oder „Halloween“ die schaurig schöne Klanguntermalung.
Eine Zusammenstellung seiner Werke gibt es nun exklusiv via residentadvisor.net.
Passt natürlich auch fabelhaft so kurz vor dem nervigen Kürbisfest am Sonntag…let’s grusel!
Download (74Mb/61Min/160kbs/mp3)
Jneiro Jarel – Fauna
Posted on 25 Oktober 2010 | No responses
Gebt mir ein U, ein R, ein L, ein A, ein U und ein B!
Und wenn ich es jetzt die nächsten 2 Wochen schaffe jeden Tag einen Eintrag zu posten verleiht mir die International Group Of Independent Music sicherlich den Web-Award für mein Lebenswerk.
Hahaha…was ein Mumpitz am frühen Nachmittag. Dabei hab ich so abartig derartig viele Alben im Petto das ich eigentlich schon viel lieber wieder in Bett zurück will.
Wir beginnen einfach mal mit Samba-Popamba. Ja wirklich! Also so gut wie!
Der aus Brooklyn stammende Jneiro Jarel ist nicht nur Vollblutmusiker sondern auch ein unentweg Reisender. Von NYC aus trieb es ihn bereits nach Housten, Phillidelphia und mittlerweile nach Los Angeles. Dort scheint er mir musikalisch bestens aufgehoben. Unweit von Flying Lotus und Tokimonsta lässt es sich sicherlich gut frickeln.
Dabei klingt Jarel aber verdammt anders. Denn er hat diesen Schuss Cachaça zwischen die Beats geschüttet und erzeugt damit eine latain-amerikanische Atmosphäre die einem gehörig in den Popo geht.
Auf seinem im September erschienenen zweiten Album Fauna ist dies ebenfalls auf eindrucksvolle Art und Weise zu erkennen.
Zugegeben: Ein bisschen Anlauf brauch es auf seine leicht verschrobenen Klänge völlig klarzukommen. Aber bei Track Nr. 4, Rio De Jneiro, packt es einen dann doch. Wer immer noch zweifelt wird dann zwei Songs später mit Wave Trip endgültig auf den Downtempo-Sambawagen geschleudert und von leicht bekleideten Damen mit einem 1A Bauchtanz zum mitschunkeln animiert.
Trotzdem gilt: Dies ist kein Album für Tanzschulfreunde mit ner ausschweifenden Sérgio Mendes Sammlung. Vielmehr werden hier die Leute bedient die es etwas „warpiger“ mögen aber keinesfalls den Crash mit weltmusikalischen Einflüssen scheuen.
Ein kleiner grosser Geheimtip!
Tracklist:
A1 Voice Of The Kayapo
A2 Castaju Cajunea
A3 Amazonica
A4 Rio De Jneiro (Jarumba)
A5 Bird Charm
A6 Wave Trip
B1 Dabuwe
B2 Indigo Eden
B3 Fauna
B4 Can You Compute Bruuhzeel
B5 Monkey Hustle (Man On Fire)
B6 See Them Cry (Painted Tears)
httpvp://www.youtube.com/view_play_list?p=A3AD7A5E1FCC019F
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MF Doom – MM..Food
Posted on 15 Oktober 2010 | No responses
Meine liebsten Gesprächsthemen sind bekanntlich Musik, das Wetter und: Essen! Somit ging folgende Platte schnell ins Öhrchen.
Den anbetungswürdigen Daniel Dumile habe ich ja bereits im Madvillain-Artikel erwähnt. Klar, Alter Egos wohin man schaut. Sein bekanntestes dürfte MF Doom sein, ein Projekt geprägt von Mystik, augenzwinkerden Flow und der schier endlosen Liebe zu Marvel Comics.
Als Dumile nach einer intensiven Schaffenspause (sein Bruder verstarb 1993) gut vorbereitet wieder in den Rap-Zirkus zurückkehrte stand dieser völlig Kopf. Dumile’s erstes MF Doom Werk Operation: Doomsday gilt als Meilenstein des Underground Hip Hops.
Sein Markenzeichen ist eine vom Künstler Lord Scotch entworfene Maske die er stets bei Liveauftritten trägt um sich somit eine gewisse Unnahrbarkeit anzueignen die man bisher in der Rap-Szene kaum kannte. Dumiles Passion für die Fantastic Four und deren Wiedersacher Dr. Doom spielt aber sicherlich eine nicht unwesendlichere Rolle. Schliesslich geizt Dumile auf seinen Alben wenig mit Film- und Hörspielsamples aus dem Fantasy Genre.
Sein 2004 erschienenes Album MM..Food hingegen widmet sich voll und ganz dem Thema Nahrung und allem was an fettig, würzigen Wortspielen möglich ist. Die Struktur der Tracks in ihrer Knappheit und ihrer hörspielartigen Verwobenheit erinnern stark an Madvillainy. Auch hier sind Refrains ein unnötiger Kropf, den Hip Hop Musik schon viel zu lange mit sich hertrug. Die Beats sind hochkomplex, verschachtelt und dennoch sautight. Textlich wird dazu noch selbstironisch, klug und augenzwinkernd ins Mic geprustet. In jeder Hinsicht kein Album für den Ottonormal-Kopfnicker. Vielmehr ein höchst spannender Langspieler der für den ambitionierten Musik-Gourmet fast schon als Pflicht anzusehen ist.
Extremst lecker!
Tracklist:
A1 Beef Rapp (4:39)
A2 Hoe Cakes (3:54)
A3 Potholderz (3:20)
B1 One Beer (4:18)
B2 Deep Fried Frenz (4:56)
B3 Poo-Putt Platter (1:13)
B4 Fillet-O-Rapper (1:53)
B5 Gumbo (0:50)
C1 Fig Leaf Bi-Carbonate (3:19)
C2 Kon Karne (2:51)
C3 Guinnessez (4:41)
D1 Kon Queso (4:00)
D2 Rapp Snitch Knishes (2:52)
D3 Vomitspit (2:48)
D4 Kookies (4:10)
httpvp://www.youtube.com/view_play_list?p=BA1A6C3A220202F2
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Interpol – Turn On The Bright Lights
Posted on 12 Oktober 2010 | No responses
Wenn ich fünf Gitarrenrockbands aufzählen müsste die mir gefallen, würde ich wahrscheinlich bereits am Ringfinger elendig scheitern. Klar, Die Sterne, Jefferson Airplane, Broken Social Club…ähm, ähm….“*flüster flüster* „Hey Tobi, Interpol!“
Achja…stimmt, die sind auch gut, wa!?
Nunja, eigentlich kenn ich die Jungs aus New York City erst ein paar Tage, ihr aktuelles Album kam im September raus.
Interpol sind aber in jedem Fall eine bemerkenswerte Band. Das liegt sicherlich zum einen an den Retro-wavigen Sound der schwer nach Früh-80er klingt, zum anderen an der kraftvollen und mitreissenden Stimme von Sänger Paul Banks. Als ebenfalls bemerkenswert empfinde ich die Struktur der einzelnen Songs die fernab von 3:30 Radio-Schallgrenze entfernt sind und sich geradezu rauschartig aufbauen. Dazu braucht es noch nicht einmal besonders ausgeprägten Stimmeinsatz wie zum Beispiel in dem Stück Hands Away, zu hören auf ihrem ersten Langspieler Turn On The Bright Lights von 2002. Ein durchweg gelungenes und vorallendingen packendes Album. Bei einem Track wie Stella Was A Diver And She Was Always Down fällt mir als Teilzeitrocker einfach nur die Kinnlade runter.
Ein düsteres Meisterwerk. Wann werden denn endlich die Uhren zurückgestellt?
Tracklist:
A1 Untitled (3:56)
A2 Obstacle 1 (4:11)
A3 NYC (4:19)
A4 PDA (4:59)
A5 Say Hello To The Angels (4:28)
A6 Hands Away (3:05)
B1 Obstacle 2 (3:47)
B2 Stella Was A Diver And She Was Always Down (6:27)
B3 Roland (3:35)
B4 The New (6:07)
B5 Leif Erikson (4:00)
httpvp://www.youtube.com/view_play_list?p=2DFB5DD86395AC7C
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Quasimoto – The Unseen
Posted on 10 Oktober 2010 | No responses
Der Ungesehene. Der der überall seine Finger mit im Spiel hat und doch meistens nur verstohlen auf der Rückseite bei den Credits auftaucht.
Ich habe die letzten Monate klammheimlich damit verbracht mich durch die unüberschaubaren Pseudonyme des Otis Jackson Jr. zu graben. All diese Madlib’s, Monk Hughes und Loopdiggas. Es bedarf viel Mühe, Neugier und Begeisterung sich das alles anzutun.
Was mich aber zweifelsohne auch zu einem grossen Fan von Jackson Jr. gemacht hat. Der Wolle Voigt des Hip Hops, Timbaland des Undergrounds, Tausendsassa unter den Bekloppten.
Und wehe wenn er sich in ein seltsam gelbes Rüsseltier verwandelt und sich dazu mit einem roten Backstein bewaffnet. Dann steigt Quasimoto in ihm hoch.
Ganz ehrlich: Beim ersten Hören dachte ich „Gott, was ne Scheisse…“. Aber wie so oft braucht es auch hier ein drittes Ohr um die Genialität direkt zu raffen.
Quasimoto ist ein ganz besonderes Alter Ego. Eins welches einem erstmal einfallen muss und nur im Studio entstehen kann. Madlib rappt über extrem langsame Beats um sie nach dem Recording auf ihre eigentlich vorgesehene Geschwindigkeit zu schrauben. Der bewusste Nebeneffekt das seine Stimme somit auch gepitcht wird ist der kongeniale Clou an der Sache.
Fertig ist The Unseen, das sensationelle Debütalbum von 2000. 24 Tracks (auf Vinyl leider nur 21) die die Trackstruktur eines Hip Hop Stücks ad absurdum führen. Strophen und Refrains sind unwichtige Kleinigkeiten womit sich die gelbe Gefahr nicht auseinandersetzen will. Es wird einfach frech gebrabbelt und mit den abgefahrensten Beats und Samples aller Zeiten unterfüttert. Der Grundstein für Madvillainy und alle späteren Otis Jackson Produktionen. Wem das alles zu strange ist kann auch zu den Instrumentals greifen. Ich allerdings bevorzuge die volle Packung Wahnsinn.
Tracklist:
A1 Welcome To Violence (0:49)
A2 Bad Character (1:55)
A3 Microphone Mathematics (3:14)
A4 Basic Instinct (2:08)
A5 Goodmorning Sunshine (3:00)
A6 Discipline 99 Pt.0 (2:32)
B1 Low Class Conspiracy (2:26)
B2 Return Of The Loop Digga (3:48)
B3 Real Eyes (3:22)
B4 Come On Feet (3:35)
C1 Bluffin (2:47)
C2 Boom Music (2:47)
C3 MHBs (2:05)
C4 Put A Curse On You (1:46)
C5 Astro Black (3:17)
C6 Green Power (2:59)
D1 Jazz Cats Pt.1 (3:08)
D2 24-7 (2:48)
D3 The Unseen (2:53)
D4 Phony Game (1:56)
D5 Astro Travellin (2:59)
CD-Bonus Tracks:
22 Blitz (1:16)
23 Axe Puzzles (2:34)
24 Discipline 99 Pt.1 (3:36)
httpvp://www.youtube.com/view_play_list?p=87643E745B436C6E
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