Auf die 12″ – April 2013
Posted on 30 April 2013 | No responses
Bei den Maxis warte ich ja immer noch auf die richtig dicken Brüller. Aber ich glaube diese Zeit ist auch irgendwie vorbei. Aber ich will ja auch nicht alles schlecht machen. Hier, auf diese Scheiben ist (einigermaßen) Verlass!
——-

Fred Everything – Brothers & Sisters (Local Talk)
Das ich den Überblick bei Local Talk verloren habe, hab ich an anderer Stelle bereits vermerkt. Fred Everythings’s Diskographie vollständig wiederzugeben dürfte auch so manchem Kopfzerbrechen bereiten. So passt diese Zusammenkunft beider scheinbar ganz gut zusammen. Gegen warmen, Keys-orientierten House habe ich sowieso nichts. Über das Sax auf der Flip allerdings kann man sich streiten.
Release @ Discogs
Release @ Spotify
Buy it on vinyl!
———-

Lucretio – Competing Motivations (Warm Sounds)
Wem das alles viel zu nett ist und wer nach regelrechten Bransätzen für den Floor lechzt wird mit diesem Monster gut bedient. Der Italiener Lucretio hat auf jeden Fall gut einen sitzen in seinem Drumcomputer und serviert uns wunderbar wuchtige 4 Tracks. Die A-Seite ist mit Piano Hook und Chi-Town Dampfwalzen Beat perfekt für den Tanzboden. Die B hingegegn forciert die Avantgarde Absichten des Künstlers. Sehr nobler Release. Könnte bald sehr teuer werden.
Release @ Discogs
Buy it on vinyl!
———–

Citizen – So Submissive (Madtech)
Zum Keys- kommt jetzt auch noch der String-Fetisch. Also äh ich meine jetzt Streicherlemente. Schon klar oder.
Auf Kerri Chandlers Madtech Label erschient immer mal wieder netter Scheiss. Das mysteriöse Projekt Citizen veröffentlicht dort eine sehr kraftvolle 2-Tracker EP inklusive eines etwas stumpfen Waze & Odyssey Remixes. Die A-Seite befriedigt aber bereits voll und ganz. Der Fetisch und so…
Release @ Discogs
Buy it on vinyl!
——–

Lrusse & Bleecker – Peier Field EP (Audio Culture)
Artistnamen die man fast gar nicht aussprechen kann sind doch immer willkommen. Das immer noch ein wenig als Insidertip geltende Audio Culture Label aus Holland zieht weiter seine Kreise. Die 2 mir völlig unbekannten Torfnasen Lrusse und Bleecker lassen scheinbar gerne die Basskatze aus dem Sack und kokettieren dazu noch mit UK Garage Elementen. Dennoch bleibt deren EP erstaunlich konventionell und bodenständig. Langweile ist trotzdem nicht angebracht. Allein B1, mein lieber Scholli.
Release @ Discogs
Buy it on vinyl!
———

Bobby Browser – Still Browsing (100% Silk)
Aber was ist eigentlich mit diesem ganz klassischen House. Fernab von Stampf Beat, Tool Elementen und Nostalgie Sampling. Auf Bobby Browsers 2. EP für 100% Silk ist es wieder ein wenig zu spüren, dieses Gefühl gepreschter Sneares, fluppiger Jazz’ness und epischen Wohlfühlfaktoren. Grandiose 4-Track 12″ die keine Fragen offen lässt. Doch eine vielleicht noch: Nutzt Bobby Browser Firefox oder Chrome? Höhö…
Release @ Discogs
Buy it on vinyl!
——-

Jordan Fields/Jean-Michael Jackson – Collectors Dream Package (Voulez-Vous)
Und wo wir gerade schon von klassischen House sprechen. Disco House hatte bei mir seine Berechtigung um 1996 rum. Aus dieser Zeit stammt auch die A-Seite dieses Teil-Reissues auf Voulez-Vous. Die Black Label EP auf Daisy liegt immer so im schmerzvollen 40 Euro Bereich. Nun kann man diesen finanziellen Eingriff einfach mit dem Kauf des sogenannten Collectors Dream Package umgehen. Die Flip bietet neben Querflöten Solos auch noch richtig derb aufgefahrene Trompeten Loops. Für Mitt-90er Fanatiker genau das richtige. Hands up!
Release @ Discogs
Buy it on vinyl!
——-

Mr. Beatnick – Savannah EP (Dont Be Afraid)
Mr. Beatnick Platten auf Don’t Be Afraid gelten ja auch immer als Garanten für einen schnellen Wert Anstieg. Diesbezüglich darf man bei der neuen Scheibe auch nicht zu nachlässig ordern. Diese überzeugt durch einen sehr erwachsenen Deep Houseentwurf der bei A2 die von mir so heißgeliebten runtergepitchen Klatscheclaps enthält.
Insgesamt aber sicherlich schwächer als die Vorgängerplatten.
Release @ Discogs
Buy it on vinyl!
———-

Point G – #1 (Point G)
Den Abschluss bildet der Franzose Gregory Darsa, dessen Diskographie seltsame große Lücken zwischen 1998 und 2012 aufweist. Mit seinem neuen G-Punkt Projekt jedenfalls klingt er verbüffend reserviert und droht immer ein wenig in die hochböse Minimal Falle zu tappen. Gut, bei B1 drücke ich da mal ein Auge zu.
Release @ Discogs
Buy it on vinyl!
——–
Sonst noch was? Ja, Techno wo bist du nur geblieben?
Langspielplatten Revue | April 2013
Posted on 28 April 2013 | No responses
Album Rundschau? Langspielplattenrevue!
However. Das war n ganz guter Monat. Nur noch 6 LP’s auf der Resterampe. Und das mein ich dieses Mal keineswegs abwertend.
Ready to Rammel? Äh…here we go!
——-

Umse -Wachstum
Da die Rettung des ernsthaften Deutsch-Raps bereits durch Tufu vollzogen würde, muss sich nun auch noch jemand um den dazugehörigen Spaßfaktor kümmern. Diesen Part könnte Christoph Umbeck aka Umse übernehmen. Dessen drittes Soloalbum überzeugt durch eine unglaublich derbe Beatdynamik und durch selbstbewusste Textpassagen. Auch wenn mal hier und da ein fieser Griff in die Kloake der Schande dabei ist, muss man das Ganze einfach von der heiteren Seite betrachten. Am Ende bleibt ein Gefühl wirklich guter Laune über. Was will man mehr?
Wachstum erschien als Einzel LP am 15. April auf Jakarta. Die ersten 150 Exemplare erschienen in weißem Vinyl.
Tracklist:
A1 Berg Auf
A2 Druck
A3 WWW 2012
A4 Du Weisst Wie
A5 Wachstum
A6 Mehr Davon
A7 S’waaack
B1 Wüste
B2 Life Is Too Short
B3 Balkon
B4 Good Girls Go Bad
B5 What Are They Doing
B6 Gut Ding Will Weile Haben
B7 Alles Geschichte
Release @ Discogs
Release @ Spotify
Buy it on vinyl!
————

Kaytranada – Kaytra Todo
Aber bekanntlich tümmel ich mich eh lieber bei den Instrumentalisten.
Wie das so bei Hip Hop Mixtapes üblich ist, erscheinen diese erst Generationen später auf Plastik. So auch die Debütplatte des Nachwuchs-Schraubers Kaytranada. Dessen 8-Tracker bürgt zwar für eher wenig Neues an der Beat Front, hängt sich aber dennoch mit einem soliden Kraftakt an Bass mächtig ins Zeug. Gerade in der zweiten Hälfte öffnet sich Kaytranada immer mehr und fügt seiner Verspieltheit ständig neue Elemente hinzu. Besonders der soulige Schlusstrack hat’s mir angetan. This dude is on my watchlist now.
Kaytra Todo erschien als 8-Track EP am 12. April ebenfalls auf Jakarta. Das Ganze ist auf 300 Exemplare limitiert.
Tracklist:
A1 Killacats
A2 Don’t Get It Confused
A3 Hot Jazzybelle
A4 Club Bang
B1 Demolitions
B2 An Excuse
B3 All We Do Feat. Jmsn
B4 Holy Hole Inna Donut
Release @ Discogs
Release @ Spotify
Buy it on vinyl!
————

Suff Daddy & Ta-Ku – Bricks & Motar
Na und um die Jungs muss man sich sowieso keine Sorgen machen.
In Form einer Split-LP präsentieren sich zum einen ein souverän agierender Suff Daddy und ein sich bisher noch etwas zurückgehaltener Ta-Ku. Dessen Soloplatte wartet allerdings im Juni auf uns, bin gespannt.
Suffi ist wie immer unverschämt funky, laid back und ähm suffig dazu. Nichts zu beanstanden, gut wie immer.
Ta-Ku’s Seite hingegen gefällt mir etwas besser aufgrund seines scheinbaren Willens direkt die ganze Welt zu zitieren. Da wobbelts im Gebälk, da hackt der Chef noch selbst und Apollo Brown darf sich auch nicht wundern dabei zu sein. Also auf den Kerl bin ich echt gespannt, was der noch für Sachen aushecken wird.
Bricks & Motar erschien als Einzel-LP am 3. April bei Melting Pot.
Tracklist:
A1 Suff Daddy – Intro
A2 Suff Daddy – Smile
A3 Suff Daddy – Charlie Parker
A4 Suff Daddy – Bad Glaucoma Skit
A5 Suff Daddy – Suffdigi
A6 Suff Daddy – Creatures
A7 Suff Daddy – Outro
B1 Ta-Ku – Clap For Me
B2 Ta-Ku – Need You
B3 Ta-Ku – Spinnerlude
B4 Ta-Ku – Coolout
B5 Ta-Ku – Ask For Me
B6 Ta-Ku – Cold
B7 Ta-Ku – Sway
Release @ Discogs
Release @ Spotify
Buy it on vinyl!
————

Medline – People Make The World Go Round
Nochmal Melting Pot. Aber völlig anders.
Dieses entspannte Werk stammt von dem französischen Beatmaker Medline, dessen Passion allerdings fernab von verschwitzter Wuchtigkeit liegt. Vielmehr bewegt sich der Künstler auf hohem Oddisee Niveau, gepaart mit einem Multi-Instrumentalisten Verständnis ala Otis Jackson. People Make The World Go Round scheut sich keines Zitates und führt den Hörer behutsam durch 40 Jahre Musikgeschichte. Leicht psychodelischer Jazz kollidiert sanft mit Soul, Fusion und Funk. Ein Album nach dem Motto: Erkennen Sie die Melodie? Supertoll!
People Make The World Go Round erschien als Einzel-LP am 17. April bei Melting Pot. Die ersten 500 Exemplare erschienen mit 3 hochqualitativen Kunstdrucken auf denen Roy Ayers, Donald Byrd und The Stylistics zu sehen sind. Schick Schick!
Tracklist:
A1 A New Day
A2 People Make The World Go Round
A3 Eboness
A4 Wind Parade
B1 Smiling Billy Suite
B2 Everybody Loves The Sunshine
B3 Red Clay
B4 Expansions
Release @ Discogs
Release @ Spotify
Buy it on vinyl!
————

Bonobo – The North Borders
Ein neues Bonobo Album, soso. Ging mir fast durch die Lappen. Was braucht Ninja Tune auch so lange um das bei Spotify zu veröffentlichen.
Dabei waren die Erwartungen gegenüber Simon Green auch enorm hoch. Black Sands war halt schon ein ordentliches Pfund an Qualität. Aber das alles schafft The North Borders eigentlich völlig problemlos. Immer kann Bonobo durch eine hohe Dichte an Sounds und Instrumenten punkten. Hinzu kommen diverse Gäste, unter anderem Erykah Badu. Und dann ist da noch dieser unschlagbare Faktor eines perfekten Bonobo Momentes. Wenn nämlich der Beat kurz mal austreten muss und ein Meer an Strings einem in den Gehörgang gespült wird. Sicherlich eines der besten Platten des Jahres. Hab aber auch nix anderes erwartet.
The North Borders erschien als Doppel LP am 28. März auf Ninja Tune. Für die ganz harten Fans gibt es auch eine Edition bestehend aus einer 7-fachen 10-inch Box + CD für circa 45 Ocken. Wer’s hat, der hat.
Tracklist:
A1 First Fires
A2 Emkay
A3 Don’t Wait
B1 Cirrus
B2 Heaven For The Sinner
B3 Towers
C1 Jets
C2 Antenna
C3 Know You
C4 Ten Tigers
D1 Sapphire
D2 Transits
D3 Pieces
Release @ Discogs
Release @ Spotify
Buy it on vinyl!
———-

VA – London Is The Place For Me 5
Zum Abschluss aber noch mein absoluter Favorite in dieser Kolumne.
Nach 7 Jahren führt Honest Jon’s endlich ihre traditionsreiche London Is The Place For Me Compilationen fort. Für das lange Warten wird man direkt doppelt belohnt. Die Teile 5 + 6 bestechen wieder mal durch eine zuckerbunte Mischung aus Afrobeat, Calypso, Highlife und natürlich tiefschwarzem Jazz der 50er und 60er Jahre. Die Zusammenstellung ist so wunderbar liebevoll gestaltet, mit all ihrer Vielfalt, Wärme und Unverkrampftheit, das ich auch noch nach dem x-ten Durchlauf ins karibische Schwärmen gerate. Ganz wundervoller Sampler. Musik, Covergestaltung, alles toll!
London Is The Place For Me 5 erschien als Doppel LP am 22. April auf Honest Jon’s. Teil 6 erschien am gleichen Tag und ist genauso empfehlenswert. Auf CD gibt es direkt beide Teile zusammen.
Tracklist:
A1 Buddy Pipp’s Highlifer’s – Cuban Nightingale
A2 George Brown – Calypso Mambo
A3 Lord Beginner – The Dollar And The Pound
A4 Lord Invader – Goodwood Park
A5 Shake Keane – Trumpet Highlife
B1 West African Rhythm Brothers – Ominira
B2 Caribbean Swing Band – Jordhu
B3 Buddy Pipp’s Highlifer’s – Ghana Special
B4 Lord Kitchener – Cricket Umpires
B5 Lord Kitchener – Kitch’s Mambo Calypso
C1 West African Rhythm Brothers – Jekafo Ju Agbawo
C2 Mighty Terror – Patricia Gone With Millicent
C3 Lord Kitchener – My WIfe Went Away With Yankee
C4 Quavers, The – Kitch
C5 Mona Baptiste – Tabu
D1 Lord Kitchener – Jamaica Turkey
D2 Mighty Terror – Women Police In England
D3 Tejan-Sie With The West African Rhythm Brothers – King Jimmy Foo Foo
D4 West African Swing Stars – My Sorrow
Release @ Discogs
Release @ Spotify
Buy it on vinyl!
—–
Was gibt es sonst noch zu sagen? Achja, das neue Westbam Album ist schlimmer als Hodenkrebs!
Bis denne!
John Beltran – Amazing Things
Posted on 27 April 2013 | No responses
Kinder wie die Zeit vergeht. Ne Woche Urlaub erweist sich als schlechter Witz im Zeitraffer Gewand, die Katzen werden immer fetter und John Beltran hat bereits 8 Alben veröffentlicht. Oh Lord!
Dabei konnte ich Beltran’s Diskographie bisher nur schemenhaft wiedergeben. Zu groß waren die Wissenslücken zwischen Ten Days Of Blue und der neuen Scheibe Amazing Things. Überraschend das der in L.A. lebende Beltran über stilistische Stationen von Deep House bis Latin Jazz wieder bei wohlig warmen Ambient angelangt ist. Was auffällt ist die enorme Zeitlosigkeit mit der die neue Platte ausgestattet ist. Die fantastische Plocker Hymne Het Leven Is Mooi könnte auch Mitte der 90er auf Rephlex erschienen sein. Das String orientierte Clouds Pull hingegen wäre sicherlich auch mal den UR Jungs in den Sinn gekommen. Aber auch modernere Entwürfe wie das burial’ekse Seasons Go wissen zu packen.
Insgesamt ist jeder Track für sich grundverschieden, spiegelt eine andere Stimmung wieder und könnte auch in einer anderen Zeitepoche entstanden sein. Das ist ein recht verblüffendes Fazit für einen Künstler der seit über 20 Jahren Musik macht. Hut ab Herr Beltran!
Amazing Things erschien am 19. April als 2×12″ auf Delsin. Ausserdem gibt es eine limitierte Edition in türkis-farbendem Vinyl mit einer Bonus 10-inch die ganze 4 Tracks extra enhält.
Tracklist:
A1 Retrouvailles
A2 Clouds Pull
A3 Het Leven Is Mooi
A4 Our Second Summer
B1 Of All The Things In This World
B2 Snow Day
B3 Medellin
B4 Flower Power Nuclear Submarine
C1 Amazing Things To Come
C2 Inexorably Tied To You
C3 Broken Mechanism
C4 Esperanto
D1 For Vangelis
D2 Weekend Homage
D3 Seasons Go
D4 Our Second Summer (Version 2)
D5 The Second I Wake
Exclusive 10-inch:
E1 Beautiful And Bloom
E2 Better Dreamer
F1 Wait Where The Trees Are
F2 Spanish Mist
Release @ Discogs
Release @ Spotify
Buy it on vinyl!
Even Drones – Two
Posted on 21 April 2013 | 2 responses
Wenn man denkt bei Techno und House hat man alles miterlebt und beide Genres sind endgültig voll ausgereizt bringt irgend so ein namenloser Vollpfosten auf spärlich illustrierten Nummernlabels ne kleine Sensation heraus. Das erste mal geschehen im September und nun noch einmal. Unglaublich.
Wer oder was Even Drones ist bleibt verborgen. Auf der Homepage spricht man aber von „Wir“. Das erklärt auch die stilistische Kluft zwischen den beiden ersten Releasen. Während One noch mit einer starken abstrakten Note und einer gewissen Verstoplerung ausgestattet war, öffnet sich Two nun dem Dancefloor. Die 4 Tracks bewegen sich zwischen bleischwerem Dub Techno und leicht verquirltem Deep House. Gelesen scheint das erst mal nix besonderes zu sein. Das ändert sich beim Hören aber schlagartig. Alles entfaltet seinen eigenen Drive, seine eigene Deepness und ein eigenes Verständnis für Tanzbarkeit. Hinzu kommt die charmante Note der Anonymität, fertig ist das Post-Legendäre.
Erstaunlich, erstaunlich!
Two erschien als 4-Track EP am 18. April auf Even Drones.
Tracklist:
A1 Untitled (5:33)
A2 Untitled (4:00)
B1 Untitled (6:29)
B2 Untitled (5:44)
Release @ Discogs
Buy it on vinyl!
Rhye – Woman
Posted on 18 April 2013 | No responses
Übrigens: Wenn ich ein Terrorist wäre, würde ich als allererstes Radio Köln in die Luft jagen und die Moderatorin der Frühstücks Sendung als Geisel nehmen. Sobald dort anständige Musik läuft ließe ich sie wieder laufen. Natürlich müsste man sich an die von mir vorgegebene Playlist halten. Rhye wären sicher auch mit aufgeführt.
Rhye, das sind zum einen der Däne Robin Braun und zum anderen der Kanadier Michael Milosh. Auf leisen Füßen veröffentlichten sie ihr ersten Album Woman bereits vor 6 Wochen, welches mit der Zweitpressung nun auch mich erreichte.
Ihre Musik ist eine interessante Mischung aus spätem 80er Rnb und discoidem Pop der frühen 90er, gepaart mit einer mittelschweren Easy Listening Note. Etwas schockiert hat mich die Tatsache das die in den Tracks zu hörende Sängerin eigentlich Mike Molosh selbst ist. Seine kuschelweiche Stimme ist weiblicher als die von Sade und Tony Braxton zusammen. Ein bisschen strange das Ganze.
Was man Rhye in jedem Fall hoch anrechnen sollte, ist ihr Geschick Pop Musik mit einem Stopschildwald völlig zum erliegen zu bringen. Selbst eine von einem 4/4 Takt getragene Dance Nummer wirkt wie ein Standbild mit verschwitzten Körpern im Schulterpolster Sakko. Das empfand ich beim Hören zum einen sehr erfrischend, zum anderen stellenweise aber auch etwas belanglos und gar anstrengend. Dennoch schätze ich diesen entschleunigten Mut, gerade bei Artists auf Majorlabeln. Ach, das erwähnte ich noch gar nicht?
Insgesamt eine schöne Platte für daheim und unterwegs im S-Bahn Dschungel.
Woman erschien in der Erstpressung als Einzel-LP am 28. Februar auf Polydor/UMG.
Tracklist:
A1 Open
A2 The Fall
A3 Last Dance
A4 Verse
A5 Shed Some Blood
B1 3 Days
B2 One Of Those Summer Days
B3 Major Minor Love
B4 Hunger
B5 Woman
Release @ Discogs
Release @ Spotify
Buy it on vinyl!
Sign Of Four – Hammer, Anvil, Stirrup
Posted on 14 April 2013 | No responses
Nach zwei Paracetamols intus und der Erkenntnis das der erste Blogeintrag des Jahres vom hauseigenen Balkon aus verschoben werden muss, sitze ich nun wieder auf dem altbekannten Gammelsofa um den musikalischen Trip der ausklingenden Woche zu würdigen.
Der Brite Miles Newbold tobte sich schon immer gern an ungewöhnlich vielen Instrumenten aus. Zusammen mit Kompagnon Wayne Fullwood gründete er vor Jahren das Bandprojekt The Natural Yogurt Band, deren seltsames Gemisch aus Space Age Funk und Psychodelic Rock bereits für Gesprächsstoff sorgte. Nun macht Newbold erst einmal Solo weiter. Unter Sign Of Four treibt er es noch etwas wilder und bunter.
Auf Hammer, Anvil, Stirrup sammeln sich unzählige unterschiedliche Einflüsse in das musikalische Spektrum ein. Eingeleitet wird dies durch die noch sehr harmonischen und angejazzten Tracks Topsy Turvy und Mirage, welche allerdings gleich durch das anschließende Jumping Beans terminiert werden. Ein wenig fühlt man sich an die besseren DJ Shadow Tage erinnert wo der Meister noch ein Scratchen als ein Teil eines Tracks repräsentierte. Sign Of Four stellt im Laufe der Platte oft die Geduld des Hörers auf die Probe. Ob eine Querflöte eine Jam Session zermatscht, ein Orgelsolo einem einen Pfeil durch den Kopf jagt oder einfach Instrumente zum Einsatz kommen deren Namen ich noch nciht mal kenne. Damit das nicht missverstanden wird: Hammer, Anvil, Stirrup ist sicherlich kein sperriges Album, allerdings für einen lauschigen Sonntagnachmittag auch völlig unbrauchbar. Die beste Wirkung erzielt es wohl beim Hören über Kopfhörer, wenn man sich durch einen Strom gehetzter Großstädter quälen muss. Dann entfaltet sich die musikalische Unruhe in Verbindung mit urbaner Unbarmherzigkeit geradezu perfekt.
Hammer, Anvil, Stirrup erschien als Doppel 10inch am 9. April bei Jazzman.
Tracklist:
A1 Topsy Turvy
A2 Mirage
B1 Jumping Beans
B2 Morphine
C1 Fruit Juice For Everyone
C2 Samba Moderno
D1 Morocco
D2 Assault On The Senses
D3 Humulus Lopulus
Release @ Discogs
Release @ Spotify
Buy it on vinyl!
James Blake – Overgrown
Posted on 10 April 2013 | No responses
Was habe ich mich schon auf einen bösen Verriss vorbereitet. Wunderkind James Blake bringt sein zweites Album raus. 2 Jahre nach dem unbetitelten Paukenschlag der ganze Zeitschriften Redaktionen lahmlegte. Ich war damals heilfroh mal kurz in mich zu gehen, durchzuatmen und mal ganz genau hin zu hören. Dem kalten Hauch den Hypes bin ich geschickt ausgewichen und musste festgestellen das die Platte doch nicht soooo das Nonplusultra war.
Bei Overgrown habe ich schlimmes befürchtet und die ersten Snippets baten fast schon um Boshaftigkeit. Aber zum Glück hat sich meine Voreingenommenheit in Luft aufgelöst. Overgrown ist nämlich sehr sehr gut geworden.
Das hat zum einen damit zu tun das sich James Blake selber etwas mehr geöffnet hat. Seine Tracks haben die einstige Sperrigkeit abgelegt und lassen sämtliche IDM und Post-Dubstep Klischees verpuffen. Was geblieben ist ist hoch ambitionierte und äusserst dunkle Pop Musik die zu jeder Zeit Präsenz zeigt und sich für keinen Abgrund zu schade ist. Der ganz große Wurf dürfte die Zusammenarbeit mit RZA sein. Take A Fall For Me ist ein kleines Monster, welches mit einem derben Beat einem fies das Rückenmark kribbeln lässt. Ansonsten verlässt sich Blake immer gern auf die Doppelung seiner Stimme, deren temporäre Weinerlichkeit streckenweise vielleicht auch nerven kann, das aber immer irgendwie in das Gesamtbild passt. Die B-Seite des Albums ist in seiner trippigen Machart der schiere Wahnsinn.
Ich bin überrascht. Das bin ich gerne.
Overgrown erschien am 3. April als Doppel LP auf dem Polydor/UMG Ableger Atlas.
Tracklist:
A1 Overgrown
A2 I Am Sold
B1 Life Round Here
B2 Take A Fall For Me
B3 Retrograde
C1 Digital Lion
C2 DLM
D1 Voyeur
D2 To The Last
D3 Our Love Comes Back
Release @ Discogs
Release @ Spotify
Buy it on vinyl!














